Bordeaux 2023: Klassisch und zeitgemäß
Das Magazin, das sich den lieferbaren Rot- und Weißweinen aus Bordeaux des Jahrgangs 2023 bzw. 2024 für trockene Weißweine, Roséweine und Schaumweine widmet, ist online.
Es umfasst 977 Verkostungsnotizen auf insgesamt 180 Seiten. Die Weine wurden in Bordeaux zwischen dem 9. November und dem 22. Dezember 2025 von Yves Beck alias Beckustator verkostet.
Verkostung in Zeiten der Krise
Die Weinbranche ist von einer weltweiten Krise betroffen. In zahlreichen Regionen werden Reben gerodet. Es ist unabdingbar, die Realität wahrzunehmen; die Weinproduktion ist zu hoch, während der Konsum zurückgeht.
Hoher Sparanteil
Man kann die aktuelle Krise jedoch nicht nur mit diesem Rückgang erklären. Weltweite geopolitische Entwicklungen verursachen erhebliche Unsicherheit.
Mit 19 % des Bruttoeinkommens liegt Ende 2025 die globale Sparquote der französischen Haushalte unter den höchsten in der Eurozone, nur knapp hinter Deutschland, das 19,2 % verzeichnet (Quelle: Fédération Bancaire Française).
Dieses Phänomen weist auf einen Trend hin: Die Ausgaben sinken, und es werden hauptsächlich Artikel des täglichen Bedarfs erworben, während Produkte, die nicht (oder weniger) lebensnotwendig sind, vernachlässigt werden.
Optimisten betrachten dies als erfreulichen Aspekt: Das Geld ist vorhanden und kann folglich irgendwann ausgegeben werden.
Geschwächter Markt
Trotz erheblicher Preissenkungen bei der Primeurkampagne des Jahrgangs 2024 ist die oft mit solchen Kampagnen verbundene Dynamik zum Stillstand gekommen. Die Resultate ließen nicht lange auf sich warten: Das vorhandene System ist ernsthaft gefährdet, und die gesamte Branche hat deutlich weniger Liquidität als gewöhnlich.
Außerdem wurden selbst Weine von hohem Ansehen aus dem Jahrgang 2022 vor Kurzem auf dem Schweizer Markt (unter anderem) zu Preisen angeboten, die 25 bis 30 % unter ihrem Ausgabepreis lagen. Das Risiko, das solches Verhalten mit sich bringt, ist offensichtlich: : Der Verbraucher verliert sein Vertrauen und hat das Gefühl, hintergangen worden zu sein.
Für den Jahrgang 2025, der zwar vielversprechende Qualität, aber deutlich geringere Mengen verspricht, ist dies kein gutes Signal. Grundsätzlich wäre es nur logisch, einen leichten Preisanstieg zu beobachten.
Aber wie Sie sicherlich nachvollziehen können, hat die Logik ihre Grenzen; in diesem Fall wird es wohl einen weiteren Preisrückgang geben, in der Hoffnung, eine Kundschaft zurückzugewinnen, die Wein zum Konsum und nicht zur Spekulation kauft. Die Spekulation betrifft zwar nur eine Minderheit der Weine, hat jedoch Auswirkungen auf alle Marktteilnehmer und schadet dem Image.
Hochwertige Qualität
Bordeaux bleibt ein unbestrittener Qualitätsführer im Segment der Weine zwischen ~ 20,00 € und 50,00 €. Diese Kategorie muss ihre Preise nicht wirklich senken, ist jedoch von den negativen Folgen der Spekulation betroffen.
Weil yvesbeck.wine weder als Prophet noch als Wahrsager fungiert, beschränkt es sich darauf, zu beobachten und eigene Schlussfolgerungen zu formulieren. Der Markt wird unmissverständlich zeigen, ob die Entscheidungen, die wir getroffen haben, erfolgreich sind … oder eben nicht!
Kämpferische Frauen und Männer
Während meines erneuten sechswöchigen Aufenthalts in der Region Bordeaux habe ich kämpferische Winzerinnen und Winzer sowie Weingutbesitzer getroffen, die nicht aufgeben. Die Widerstandsfähigkeit, die ich in meinen Begegnungen und Gesprächen mit den Protagonisten der Weinwelt beobachten konnte, ist wirklich wertvoll und ergreifend.
Ich kann diese Frauen und Männer, die eine äußerst schwierige Zeit durchleben, aber dennoch die Hoffnung nicht verlieren, nur unterstützen. Die Sonne geht jeden Morgen auf, und früher oder später wird sie wieder für alle scheinen.
Klassisch und zeitgemäß
Nachdem ich die Fassproben des Jahrgangs 2023 verkostet habe, nannte ich es ein Jahr der Terroirs (siehe Text unten). Die klassische Seite war dargestellt: 2023 erinnert an Jahrgänge der achtziger Jahre, allerdings mit ausgereifteren und feineren Tanninen. Dies zählt zu der moderneren Seite.
Terroir-Jahr
Jeder fragt sich: Wie ist der Jahrgang 2023? Viele haben schon ihre Ansichten kundgetan, oft mit ähnlichen Ansätzen.
Meiner Meinung nach ist es wichtig, den Bordeaux-Charakter zu betonen, um zu zeigen, dass das Jahr 2023 zu den zeitgenössischen klassischen Jahrgängen gehört, wo Harmonie, Frische, Kraft und Reifepotenzial im Mittelpunkt stehen.
Während die Weine des Jahres 2022 überwiegend vom heißen und trockenen Klima beeinflusst waren, sind die Weine des Jahres 2023 vor allem ein Tribut an die Terroirs.
Heute, im Dezember 2025, hat sich daran kaum etwas geändert, aber damals fehlte ein entscheidender Aspekt: Den Ausbau, bzw. die Reifung der Weine.
2023 unter den Großen
Die Reifung hat Früchte getragen, die Ecken und Kanten abgerundet und Harmonie zwischen den verschiedenen Komponenten geschaffen. Die Vielfalt der Behälter hat zu Finesse beigetragen. Die Tradition wurde nicht aufgegeben, sondern ergänzt. So unterstreicht die Vielfalt, die sich aus der Reifung in Foudres, Demi-Muids, neuen und mehrfach belegten Barriques ergibt, ebenfalls den zeitgenössischen Charakter.
Während sich die Primeurweinproben als komplex und nicht einheitlich erwiesen, ist die Flaschenversion aufschlussreich.
2023 ist ein durchaus großer Jahrgang mit Höhen und Tiefen (weshalb er nicht hervorragend ist) abhängig von Mikroklimas und Anbaumethoden.
Bemerkenswerte Sauternes
Ich kann nicht schließen, ohne die Exzellenz der Barsac und Sauternes Weine zu erwähnen. Das Niveau ist in der Tat hervorragend und gibt Anlass zur Freude für die kommenden Jahrzehnte.
Wir dürfen aber den Weingeniessern keine Steine in den Weg legen; die Sauternes 2023 können jung genossen werden … und auch weniger jung. Alle werden ihre Kosten kommen.
Die Region Sauternes hat in den letzten Jahren viel Energie investiert, und jetzt zeigt sich nun der Erfolg. Man kann nur hoffen, dass diese positive Entwicklung weiterhin anhält oder sich der Aufwärtstrend fortsetzt; wenn jeder Franzose jährlich eine Flasche Sauternes kaufen würde, wäre die Region nicht in der Lage, die Nachfrage zu decken.
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