Matthias Meierer

Weingut Meierer : es soll auch nach Mosel schmecken

Die „Kein-Plan-Reise“ an die Mosel

Es gibt solche Augenblicke, in denen man einfach mal keinen Plan haben möchte. Die Tatsache, dass man stets mit Terminen und klar definierte Abläufen funktioniert, kann uns von solchen Aktionen abschrecken. Klar, eine Gewohnheit soll es nicht werden, vor allem, wenn ein Weinkritiker Betriebe besucht. Diese Idee entstand, während ich bei der VDP Probe in Wiesbaden war. Dank inspirierender Rieslinge dachte ich mir einen Plan aus: keinen Plan zu haben! Nur ein paar Zutaten: Eine Gegend, einen Bahnhof (da ich, wenn möglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln in den Weinregionen reise, aber machen wir uns nichts vor, es ist eigentlich kaum möglich) und Winzer.

Nun, wie kommuniziere ich das? Das liegt auf der Hand! Die Sozialen Medien bilden ein Teil der Basis dieser Aktion. Warum nur einen Teil? Weil es Menschen braucht, die sowas initiieren und welche, die zufällig an einem besonderen Moment etwas lesen oder sehen. Konkret habe ich irgendwann eine Region ausgewählt und festgelegt, dass ich mit dem Zug um etwa 10 Uhr in Traben-Trarbach ankomme. Diese Information veröffentliche ich mit dem Titel „Kein Plan Tag“ und der Angabe, dass ich vom ersten Betrieb zum zweiten und dann auch zum dritten (das ist die Tagesgrenze bei solchen Aktionen) fahren will. Ferner hatte ich angedeutet, dass ich auch gerne ein Bett für eine Nacht in Anspruch nehmen würde.

Der Deal

Ich brauche einen Winzer, der mich am Bahnhof empfängt und mich zu seinem Weingut führt. Neben dem Besuch werden natürlich die Weine verkostet und ich erfasse meine Eindrücke. Was kriegt der/die Winzer/Winzern dafür? Einen Bericht über die Weine auf www.yvesbeck.wine mittels Verlinkung aus Twitter und Facebook. Beide haben was davon; ich habe die Möglichkeit etwas zu veröffentlichen und der Betrieb erreicht ein interessiertes und breites Publikum. Mit 13 500 „Fans“ und „Followers“ kann es bis zu 200 000 Visualisierungen eines Artikels im Monat geben.

Lange muss ich nicht warten. Nach einigen Minuten meldet sich bereits einen Winzer; Von Jan Matthias Klein werde ich am Bahnhof abgeholt; bei ihm gibt es eine Weinprobe und ein Mittagessen. Mit Stefan Steinmetz (Weingut Günther Steinmetz) einigt er sich, dass ich dann an einem Treffpunkt „übergeben“ werde, sodass ich das zweite Weingut besuchen kann. Beim Stefan gibt es eine Weinprobe, ein Abendbrot, eine längere Verkostungssession und ein Bett! Der nächste Morgen, bzw. ein paar Stunden später, werde ich von Matthias Meierer (Weingut Meierer) abgeholt, um nach der Weinprobe zum Bahnhof gefahren zu werden. Der Kein-Plan-Tag verlief perfekt. An der Mosel wurde ich freundlichst empfangen und habe dort eine ereignisreiche  Zeit verbracht.

Meierers Weine sind präzise, elegant und vertreten ihre Region bestens. Das Ziel „es soll  auch nach Mosel schmecken“ ist klar erreicht. Das Potenzial zu noch mehr Präzision und Tiefe ist da und Matthias Meierer, unterstützt von seiner Familie und seinem Team, folgt einen Weg der noch weiter nach oben geht. Das liegt vermutlich an den Reben, da muss man einfach nach oben schauen!

Kontaktdaten und Yves Becks Impressionen zu den Weinen

Weingut Meierer, Am Herrenberg 15, 54518 Kesten, Deutschland
Fon : +49 6535 7012
Web : www.weingut-meierer.de
Mail : info@weingut-meierer.de


Matthias Meierer hat folgende Weine vorgestellt

Riesling 2015

Blasses Gelb mit Grünreflex. Intensives Bouquet mit noch leicht reduktivem Charakter. Granny Smith Apfel und Graphite sorgen für Spannung. Charmanter und erfrischender Auftakt. Ein saftiger, ausgewogener und süffiger Wein. Jetzt bis 2020  87/100

Junge Reben 2015

Blasses Gelb mit Grünreflex. Feinschichtiges Bouquet. Mineralik, Aprikosen und blonder Tabak. Süß- eleganter Auftakt mit erfrischendem Charakter. Der Körper wirkt saftig, ausgewogen und fruchtig. Die Struktur sorgt für Rasse und einen langen Nachklang. 2020-2035  92/100

Alte Reben – Riesling 2015

Der Wein stammt aus im Durchschnitt 55 Jahre alten Reben . Helles Goldgelb. Ansprechendes, würziges und delikates Bouquet. Feine Noten, die an Lebkuchengewürz und Pfeffer erinnern. Dazu kommt eine angenehme Mineralik und einen Hauch Safran. Fruchtiger und saftiger Auftakt, charaktervoller Körper und stützende Struktur. Ein ausgewogener Wein, der etwas Lagerung verdient. Leicht bitterer Abgang. Warten. 2018-2030 91-93/100

WTF!? 2015

Frühe Weinlese am Morgen (bei Temperaturen von 2 bis 4 Grad Celsius). Die Maischestandzeit dauert zwei Wochen, bis die Temperatur 14 Grad erreicht. Ungefähr bei dieser Temperatur fängt dementsprechend die Gärung an. 10mg freier Schwefel. Helles Gold. Feinschichtiges Bouquet. Korinthen Rosinen, Akazienhonig, Quittengelee, Cacaobutter. Ausdrucksvoller Auftat mit guter Widergabe der olfaktorischen Noten. Mittlere Körperintensität, schöne Balance zwischen Struktur und Tannin. Hier bin ich zweispaltig, denn eigentlich würde ich den lagern wollen, aber die Nase weist eher auf Trinken hin. Ist ja auch ok 😀 jetzt bis 2020  91/100

Kestener Riesling Feinherb 2015

Blasses Gelb mit Grünreflex. Verhaltenes, leicht würziges Bouquet. Etwas Feuerstein und Zitrusfrucht. Charmanter Auftakt. Vollmundiger Körper mit gutem Zusammenspiel zwischen Süße und Säure. Hier müssen die Elemente noch zueinander finden, aber alles ist dafür gegeben, dass es klappt. Warten. 2017-2020 87-88/100

Kestener Riesling Kabinett 2015

Blasses Gelb mit Grünreflex. Recht intensives Bouquet. Haribo-Bärchen, Mineralik, Birnen, leichte Noten von Zitrusfrucht. Charmanter, fruchtiger Auftakt. Der Körper ist leicht, ausgewogen und süffig. Ein lieber Kerl! jetzt bis 2020  87/100

Kestener Riesling trocken 2013

Mittleres Gelb. Würziges Bouquet mit leichten Safrannoten, Grapefruit und etwas Minze. Auch der Auftakt ist würzig und weist eine gewisse Dichte auf. Cremiger Körper mit fruchtstützender Struktur und leicht bitterem Abgang. Jetzt bis 2022  87/100

Kestener Riesling trocken 2014

Helles Gelb mit leichtem Grünreflex. Dieser Riesling hat lange auf der Vollhefe gelegen, was ihn natürlich charaktervoll stimmt. Feinschichtiges Bouquet mit feiner Mineralik. Williams Birne, Apfel. Eleganter, leicht spritziger Auftakt. Der Körper ist mittelintensiv und ausgewogen. Gute Fruchtaromatik und erstaunlich bissige Struktur, die für Rasse und Lagerungspotential sorgt. Jetzt bis 2023  88/100

Kestener Riesling trocken 2015

Helles Gelb mit Grünreflex. Recht intensives Bouquet. Zitrusfrucht, Orangenschale. Leicht mineralischer Charakter. Saftiger und erfrischender Auftakt. Ein rassiger und ausgewogener Wein mit stützender Struktur. Sehr schön. Jetzt bis 2023  88/100

Kestener Paulinsberg Spätlese 2015

Blasses Gelb. Recht intensives Bouquet mit fruchtigem und blumigem Charakter. Angenehme Düfte von Aprikosen und Safran. Eleganter, verführerischer Auftakt. Auch im Gaumen tritt der Safran auf. Gute Balance zwischen Süße und Säure, wobei er etwas bissiger schon sein dürfte! 2017-2030  90-92/100

Kestener Paulinsberg Riesling Trocken 2014

Mittleres Gelb. Recht intensives und vielschichtiges Bouquet. Fruchtig und würzig mit Noten von Mirabellen, Anis, Cacaobutter und etwas Zitrusfrucht. Leicht fruchtiger und erfrischender Auftakt. Im Gaumen vollmundig und bestens von der Struktur gestützt. Ein Wein, der sich noch etwas entfalten muss. Warten. 2017-2027  91/100

Kestener Paulinsberg Riesling Trocken 2015

Blasses Gelb mit Grünreflex. Kompaktes, mineralisches Bouquet. Zitrusfrucht, Williams Birne und weißer Pfeffer. Angenehmer Auftakt mit leicht exotischer Note. Der Wein ist vollmundig und ausgewogen. Er mag noch nicht alles von sich geben, aber er verspricht einiges… und man kann ihm auch vertrauen. Warten. 2018-2030  91-92/100

Kestener Paulinshofberg Auslese 2015

Blasses Gelb mit Grünreflex. Ausladendes Bouquet mit würzigem und fruchtigem Charakter. Safran, Mirabellen, getrocknete Aprikosen, Akazienblüte. Charmanter und fruchtiger Auftakt, optimale Balance zwischen Süße und Struktur. Feiner und saftiger Charakter mit langem Nachklang. Dieser Wein ist keine Bombe, sondern ein filigranes, langlebiges Modell mit gutem Reifepotenzial. Sehr schön, bravo! 2020-2040 92-93/100